
Liebe Einwohnerinnen und Einwohner
Verglichen mit den 19 Jahren, die zwischen den Dorffestern 2004 und 2023 vergingen, geht es diesmal womöglich rasch: Bereits am 7. August 2025 erwarten wir 2‘000 bis 4‘000 Gäste rund um den Hinterdorfplatz, Festwirtschaften, Stars, Sternchen und Show – sofern wir gewinnen. Donnschtig-Jass vom Schweizer Fernsehen ist angesagt. Eine Woche vorher, am 31. Juli, treten Hüntwangen gegen Eglisau im «Differenzler» gegeneinander an, in einer Gemeinde der Innerschweiz. Da braucht es Fans, die mitreisen, es wird ein Car organisiert.
Wenn wir verlieren, dann findet das Fest in Eglisau statt – auch dies wird ein einmaliger Anlass für das Rafzerfeld. Reservieren Sie sich diese Daten!
Im Hintergrund wird der Anlass nicht allein vom Schweizer Fernsehen organisiert. Für die Festbeizen, Sitzgelegenheiten, Parkplätze, Sicherheit, Finanzierung etc. ist ein Festverein zuständig, dem der Eglisauer Gemeindepräsident Roland Ruckstuhl und von Hüntwanger Seite Vereins- und Kulturvorstand Peter Merkt vorstehen. Ein gemeindeübergreifender Hosenlupf für ein Rafzerfelder Jassfest! Bestehende Vereine können Helferinnen und Helfer melden, der Gewinn der Festwirtschaft wird über die geleisteten Schichten an die Vereine verteilt. Damit ein solcher möglich ist, werden Sponsorinnen und Sponsoren gesucht. Wie an der Budgetgemeindeversammlung besprochen, sollen weder Gemeindeverwaltungen in die Organisation einbezogen noch Steuergelder fliessen. Ich bin gespannt, ehrlicherweise auch ein bisschen skeptisch, wie das gelingt.
Bei anderen Dingen wissen wir nun, dass sie gut geraten: Türmliwiese. Nach Jahren der Vorbereitung, Bedarfsabklärung, Kommissionsgründung, Standortevaluation, Projektwettbewerb, Genossenschaftsgründung, Vertragsaushandlungen, folgte der aufwändige Bau, die Vermietung und nun die Organisation des Unterhalts. Die Gemeinde war Initiantin, Verhandlungspartnerin, Investorin und Bewilligungsbehörde, der Grossteil der aufgezählten konkreten Arbeiten, insbesondere Bau, Vermietung und Betrieb wurden vom engagierten Genossenschaftsvorstand unter dem Präsidium von Nico Kauf geleistet. Ich staune, was entstanden ist: Bald werden zwölf neuen Alterswohnungen bezogen und im Sommer spielen auf dem neuen Spielplatz im Dorfzentrum Kinder. Passantinnen und Passanten wählen den Weg am Spielplatz vorbei zur Bushaltestelle, setzen sich auf eine Sitzbank, plaudern am Feierabend. Vielen Dank allen, die sich für dieses Projekt engagiert haben!
Engagement für das Gemeinwohl ist nicht selbstverständlich. Die Ersatzwahlen in den Gemeinderat vom 9. Februar zeigten, dass es für öffentliche Behördenämter (Gemeinderat, Schulbehörde, Rechnungsprüfungskommission) nur wenig Kandidaturen gibt. Zwar kam es auch schon vor, dass sich in Hüntwangen fünf Interessentinnen und Interessenten auf einen Sitz bewarben, häufig ist die Suche jedoch schwierig. Schade, denn es sind spannende und lehrreiche Ämter. Es ist wichtig für die Demokratie, das Wahlrecht so ernst zu nehmen, dass wir wählen können, idealerweise zwischen unterschiedlichen Meinungen und Ideen, welche die Kandidierenden vertreten.
Die Gründe liegen bei Job, Familie und Hobby. Die Performance in der Arbeitswelt ist kompromisslos erforderlich und erfordert Erholungszeit, die Erwartungen ans Privatleben sind gestiegen. Glück ist schwierig, wenn Mami oder Papi neben einer Voll- und Teilzeitstelle (im Regelfall arbeiten beide Partner) noch zehn bis fünfzehn Stunden wöchentlich für das Gemeinwohl arbeiten und oft ausser Haus sind.
Das Behördenamt muss sich diesen Umständen anpassen, sonst wird die Demokratie zur Farce. Es muss für geeignete Personen leistbar werden. Einerseits muss es von operativen Arbeiten, die von Mitarbeitenden erfüllt werden können, entschlackt werden, anderseits so entschädigt sein, dass es einer Teilzeitstelle für qualifizierte strategische Führungspersonen gleichkommt. Eine kleine Gemeinde kann sich das nicht leisten.
Eine Gemeindefusion wird früher oder später notwendig. Damit diese zukunftweisend ist, damit Verwaltung und technische Betriebe Abteilungen mit Spezialisten und Stellvertretungen führen können, muss die «Gemeinde Rafzerfeld» von Rafz bis Eglisau reichen. Nur so helfen genügend Steuerzahlende mit, nur so spielt die Abschaffung von Rafzerfelder Doppelspurigkeiten genügend Mittel frei. Ich weiss, dies sind heute Träumereien, aber wenn wir, wie beim Donschtigs-Jass 2025 schon gemeinsam festen, können wir vielleicht in zehn Jahren auch gemeinsam regieren.
Matthias Hauser, Gemeindepräsident
matthias.hauser@huentwangen.ch